Zwei Koffer. Über 30 Jahre Sammelleidenschaft. Jede CD ein Kauf, den ich mir überlegt habe – im Plattenladen, am Konzertstand, manchmal auch spontan an der Kasse. Diese Koffer haben Umzüge überstanden, in verschiedenen Wohnungen verbracht, Regale gefüllt und Staub gesammelt. Sie waren immer dabei. Ich mag Artworks. Ich kann ein physisches Album – CD oder LP – in die Hand nehmen, mich daran freuen, das Booklet durchblättern. Und es wieder ins Regal stellen, ohne es abzuspielen. Das ist etwas, das Streaming niemals ersetzen kann.

Nur leider: Es hat mich lange genervt, dass ich sie nicht mehr in meinem Auto hören konnte. Es gibt kein physiches Laufwerk mehr. Streaming ist heute Standard. Spotify, Apple Music, Tidal – alles jederzeit verfügbar. Bequem, schnell, endlos. Viele meiner Alben habe ich auf den gängigen Plattformen auch nicht gefunden. Verrückte Veröffentlichungen, lokale Bands, Sondereditionen, Importe – einfach nicht da. Die Musik war zwar noch physisch vorhanden, aber faktisch unerreichbar. Eingesperrt in Silberling und Plastikhülle.

Schade eigentlich. Also? Was tun?

Die Entscheidung: Bewahren, was mir wichtig ist

Ich habe mir irgendwann eingestanden, dass ich diese Sammlung nicht einfach aufgeben möchte. Nicht aus Nostalgie allein – sondern weil die Musik darauf Teil meiner Geschichte ist. Jedes Album erzählt etwas: Wo war ich, als ich es gekauft habe? Mit wem habe ich es gehört? Welche Songs liefen, als etwas Wichtiges passiert ist?
Also habe ich meine Sammlung transformiert. Nicht weggeworfen – sondern in eine Form gebracht, die zu meinem heutigen Leben passt.

Wie ich vorgegangen bin

Zunächst habe ich die wichtigsten CDs ausgewählt. Wir wissen alle, dass nicht alles den Aufwand wert ist, gerippt zu werden 😀 – doch dann kam die eigentliche Arbeit:

  1. Rippen als FLAC: Verlustfrei, weil ich mir die Mühe nur einmal machen wollte. Wer einmal in MP3 rippt, wird es irgendwann in der Qualität bereuen. FLAC ist zukunftssicherer – und mit heutigen Speicherkapazitäten spielt die Dateigrösse kaum noch eine Rolle.
  2. Tagging: Sauber und konsistent. Das ist der Teil, den die meisten unterschätzen. Falsche Metadaten, fehlende Cover, inkonsistente Genre-Tags – das macht aus einer Bibliothek schnell ein Chaos. Ich habe mir hier Zeit genommen, weil eine gut getaggte Sammlung den Unterschied zwischen nutzbar und geniessbar ausmacht.
  3. Ablage auf der Synology NAS: Zentral, redundant, zugreifbar. Die NAS ist das Herzstück – ein stilles Regal, das immer da ist.
  4. Plex Media Server: Aus einem Stapel Datenträger wird eine durchsuchbare, schöne Musikbibliothek. Plex kennt meine Alben, zeigt die Cover an, sortiert nach Genre, Jahr, Künstler. Und das Beste: Ich kann von überall darauf zugreifen. Im Auto höre ich meine Musik-Kollektion wieder ganz selbstverständlich über das Handy per USB Kabel oder Bluetooth. Kein Unterschied zu den grossen Streaming Anbietern – ausser dass ich genau das höre, was ich hören will.

Ein wichtiger Aspekt: Meine Daten gehören mir

Hier kommt ein Punkt ins Spiel, der mir als jemand, der sich mit digitaler Privatsphäre beschäftigt, besonders am Herzen liegt: Datenschutz und Souveränität. Bei Streaming-Diensten bin ich nicht nur Nutzer, sondern in der Regel das Produkt. Jeder Song, den ich höre, jede Pause, die ich mache, jeder Song, den ich skippe – all das wird protokolliert, analysiert und verkauft, um mir Werbung zu zeigen oder andere Nutzer zu beeinflussen. Mein Musikgeschmack wird zum Datensatz in einer riesigen Datenbank, die ich niemals kontrollieren kann. Die Plattformen wissen auch, wann ich traurig bin, wann ich feiern möchte, und nutzen diese besondere Art von Intimität, um mich im Ökosystem zu halten. Mit meiner lokalen Lösung sieht das komplett anders aus.

  • Kein Tracking: Kein Dienst weiss, was ich gerade höre (Ausser nur ausgewählte Freunde, mit denen ich via Plex verbunden bin). Meine Musik, meine Alben und Playlists sind meine Privatsache. Es gibt keinen Algorithmus, der meine Hörgewohnheiten ausspäht, um sie zu monetarisieren.
  • Keine Datenkrake: Die Dateien liegen auf meiner eigenen Hardware (der Synology NAS), verschlüsselt und mit einem VPN abgeschirmt. Sie sind nicht von den Launen eines Konzerns abhängig, der morgen entscheiden könnte, Rechte zurückzuziehen, wahllos Preise zu erhöhen oder meine Daten an Dritte weiterzugeben.
  • Echte Kontrolle: Ich bin der Administrator meines eigenen digitalen Raums. Wenn ich eine Entscheidung treffe, dann ich – nicht ein Blackbox-Algorithmus, der versucht, meine Aufmerksamkeit zu maximieren.

In einer Zeit, in der unsere Aufmerksamkeit und unsere persönlichen Daten ständig gehandelt werden, ist eine eigene, geschützte Bibliothek ein kleines, aber wichtiges Stück Freiheit. Es geht nicht nur um die Musik selbst, sondern darum, wer die Kontrolle über mein digitales Leben hat.

Nebenbei: Ich bin seit 15 Jahren zufriedener Kunde bei Metanet, hoste alle meine Webseiten dort und kann es gerne weiterempfehlen. Für den Fall, wenn du gerade einen Webhost suchst, nutze das Angebot und unterstütze meinen Blog

Ein Wort zur modernen Musik

…und unter uns: Die moderne Musik ist für mich zu 90 % nichts mehr. 😀
Nicht, weil früher alles besser war – das ist es nicht. Sondern weil sich mein Geschmack über Jahre gebildet hat. Ich weiss, was ich mag, und ich weiss, was mich nicht mehr erreicht. Viele Pop-Releases wirken austauschbar, als wären sie von einem Algorithmus optimiert: der gleiche Beat, die gleichen Hooks, die gleichen Produktionstricks. Und nach wenigen Wochen sind sie wieder verschwunden – ersetzt durch das nächste Produkt im Zyklus. Achte mal drauf: Man spricht von 80ern, 90ern, Moderner Musik. Ganze Epochen, die man am Sound erkennt. Oder nenne mir mal 2-3 Musiklegenden, die Ende der 2000er starteten und bis heute aktiv sowie relevant sind. Es gibt sie vielleicht – aber sie prägen nicht mehr das kollektive Gedächtnis wie früher ein Springsteen, ein Bowie oder eine Aretha Franklin. Egal. 😄

Und dann ist ja da noch die aktuelle Entwicklung: KI-generierte Musik. Grundsätzlich finde ich die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz sehr spannend und bin fasziniert, was man mit dem Werkzeug alles anstellen kann. Aktuelle Analysen zeigen, dass bereits fast 40 % aller neuen Songs, die täglich auf Spotify hochgeladen werden, von Künstlicher Intelligenz stammen. Täglich kommen 50’000 neue Tracks hinzu, die oft ohne menschliches Zutun entstehen – optimiert für Algorithmen und maximale Klicks. Wenn also über ein Drittel der neuen Musik maschinell produziert wird, verliert das Konzept des „Entdeckens“ seine Bedeutung. Meine digitale Sammlung ist hingegen ein bewusster Akt der Resistenz. Nenne es ein Refugium für Musik, die von Menschen gemacht wurde, mit Fehlern, mit Emotionen und mit einer Geschichte. Sie ist nicht optimiert, um im Feed aufzutauchen, sondern um zu „bleiben“.

Warum physische Medien weiterhin für mich etwas Besonderes sind

Genau deshalb war das Digitalisieren für mich so konsequent: Nicht dem nächsten Trend hinterherlaufen, sondern bewahren, was für mich relevant ist – in guter Qualität und unabhängig von Streaming-Diensten. Die Technik ist modern. Der Inhalt ist kuratiert. Und das fühlt sich überraschend zeitlos an.

(Foto credit: KI generiert)